Kristallglas

Von Nicole Gutschalk, 22. Januar 2016
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Neulich beim Mittagessen in der Nordbrücke Wipkingen: Grünzeug in Kristallvase.

Als wir sie jeweils in ihrer Zürcher Zweizimmerwohnung besuchten, standen sie immer schon bereit: Die Kristallgläser meiner Grossmutter. Sie hütete sie wie einen Schatz, der nur höchst selten aus dem viktorianischen Buffet rausdurfte. Natürlich nur am Wochenende – niemals an Werktagen. Da muss man schon unterscheiden, klar. Diese Beziehung zu Wohnaccessoires haben wir ja mittlerweile gänzlich verloren. Oder habt ihr etwa noch Sachen zu Hause rumstehen, die ihr nur zu besonderen Anlässen hervorkramt? Silberbesteck, Stoffservietten oder ähnliches? Also ich nicht. Oder vielleicht müsste ich vorsichtshalber sagen bis jetzt. Denn meine Mutter hat diesbezüglich eine echte Wandlung durchlaufen. War sie doch früher der Ansicht, dass Dinge zum Brauchen da sind, ist sie mittlerweile zur regelrechten Hüterin des Heiligen Grals mutiert. Vor allem, was Erbstücke betrifft: «Nein, Liebi, heute ist ja nicht dein Geburtstag und Wasser kannst du auch aus einem normalen Glas trinken», sagte sie neulich zu meiner Tochter, die nur allzu gerne gewusst hätte, wie Wasser aus so einem Prinzessinenglas schmeckt. Natürlich toll – finde ich zumindest. Voll besser irgendwie. Und weil ich nicht aufs Vererben warten will und mir meine Lieblingsgläser vom finnischen Designer Tapio Wirkkala aus der Serie Serie Ultima Thule derzeit leider nicht leisten kann, habe ich mir eben eine Brocki-Alternative zugelegt. PS: Meine Tochter findet übrigens auch, dass Wasser aus Kristallgläsern besser schmeckt.

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Die zwei Neuen in meiner Homebar.

Designer Tapio Wirkkala mit einem Glas aus der Serie Ultima Thule für Iittala.

Ein Mann, ein Glas: Designer Tapio Wirkkala mit seinem Kristallglas aus der Serie Ultima Thule für Iittala (Bildrechte Ittala).

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