Berberteppiche

Von Nicole Gutschalk, 31. Januar 2016
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Die drei Marokkaner in ihrem neuen Zuhause bei Cati.

Ja, ich bin manchmal neidisch. Zum letzten Mal auf meine Freundin Cati, welche sich diese drei wahnsinnig coolen Teppiche aus Marokko mitgebracht hat. Natürlich hat sie dafür auch fast nix bezahlt. Die drei Berber haben sie etwa so viel gekostet, wie sie hierzulande für einen bezahlen würde. Marokko steht definitiv auf meiner Liste favorisierter Reiseziele. Denn Teppiche kann man schliesslich nie genug haben, oder?

Mein erster selbsgekaufter Teppich war übrigens auch Marokkaner – allerdings einer von der flachgewebten Sorte. Kobaltblau mit orangefarbenen Stickereien. Ich war zweiundzwanzig, Ethnologiestudentin und mit meinem Freund und seiner Vespa nach Essaouira gefahren. Von Zürich aus wohlgemerkt. Damals hatten wir ja noch unendlich viel Zeit. Der Teppich lag dann jahrelang in unserem WG-Bad bis er zur Unkenntlichkeit zerfranst war.

Nummer zwei war dann ein Langfloorflauscher im Stil der Siebzigerjahre in Offwhite. Billig und haarig. Ich hatte um die Dreissig rum kurz mal so eine Loungephase. Die ging aber schnell vorrüber – ehrlich. Der Teppich hat mit der Zeit nur noch genervt, da sich in seinem Gewusel Staubbausche mit Chipsresten zu einem klebrigen Etwas vermengten. Es war ein kurzes Schauspiel mit uns beiden.

Die Teppiche werden bei Familien in Anatolien gesammelt. Die Familien erhalten im Austausch neue, industriell gewobene Teppiche. By Walter, Zürich.

Anatolische Teppichsammelstelle.

Mein letzter – und immer noch geliebter Teppich – ist einer aus dem Orient, dem als Ausschussware wieder neues Leben eingehaucht wurde. Ein anatolisch-zürcherisches Recycling-Projekt um genau zu sein, welches der Vintagemöbelshop Walter unterstützt. Der Südtürke war übrigens teurer als Catis drei Marokkaner zusammen – also sauteuer – aber das kindertauglichste Interiorteil, das wir uns je zugelegt haben. Einfach Unbefleckbar.

Aber jetzt zu meinem neuen Wunschkandidaten – den Marokkanern: Sie werden von Nomadenvölkern – fast ausschliesslich von Frauen – zu wahnsinnigen Kunstwerken aus Wolle verarbeitet. Die Stämme tragen komplizierte Namen, wie Taznakht, Beni  Ourain, Azilal, Shrouit, Telsnit, Zemmour und Boushrouit. Die Teppiche erkennt man insbesondere an ihren wuchtigen geometrischen Mustern. Werden sie traditionell hergestellt, liegen die Flauscher wohl im gleichen Preissegment wie meiner aus dem Orient. Werden sie seriell produziert, dann sind sie aber definitiv erschwinglich. Mein einziges Problem mit diesen Berbern: Sie sind langhaarig! Könnten sich also in kürzester Zeit in ein klebriges Wollmonster verwandeln. Darum: Marokko muss noch ein bisschen warten.

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Teppich gesehen bei Einzigart, Zürich.

Teppich YEAH inspiriert von den traditionellen Berbernmodellen. Design by Mae Engelgeer

Cooler Wandschmuck: Teppich YEAH inspiriert von traditionellen Berbernmodellen. In Handabreit hergestellt von der Niederländerin by Mae Engelgeer.

Teppich Nyborg im Berber Stil von La Redoute Home.

Erschwingliches Exemplar: Serieller Teppich „Nyborg“ im Berber Stil von La Redoute Home, ab 208 Fr.

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