Das Hasenmädchen Miffy feiert Geburtstag

Von Claudia Müller, 25. June 2015

Sie ist weiss, klein und putzig. Kaum zu glauben, dass der kleine Hase des niederländischen Illustrators Dick Bruna 60 Jahre alt wird. Für mich war Miffy der Beginn einer wunderbaren Reise.

Ich hatte mir soeben einen Lonely Planet gekauft und fing an darin zu blättern. Die Niederlande – was die Oberfläche angeht, kommt das Flachland der Schweiz gleich. Einwohner zählt es mehr als doppelt so viel. Unter den vielen Fakten im Reiseführer stach sie heraus. Ein unschuldiger Hase, mit Knopfaugen und einem Kreuz als Mund. «Nijntje» (Abkürzung von «Konijntje» zu Deutsch Hasenfigürchen) so heisst die Figur, die der niederländische Illustrator Dick Bruna im Jahre 1955 ins Leben rief. Ich konnte den Namen anfänglich nicht aussprechen. Für mich war der kleine weibliche Hase wie für den Rest der Welt einfach Miffy.

Das Hasenmädchen erhält neuen Namen
Japan war im Jahr 1965 das erste Land, dass sich für Bruna’s Figur interessierte. Ein lokaler Herausgeber war von der Figur verzaubert und war der Meinung, dass das Hasenmädchen und Ihre Kinderbücher auch den Japanern gefallen würden. Zuerst wurde Sie «Usako-Chan» genannt. Nach ein paar Jahren wurde das Hasenmädchen von Bruna und den englischen Herausgebern Miffy getauft.

Klassische Figur
Fünfzig Jahre später ist Miffy in Japan der grössere Star als in den Niederlanden. Sie ist zu einer klassischen Figur geworden, die jeder kennt. Eine andere bekannte Figur auf Japan ist Hello Kitty (1974) des Unternehmen Sanrio. Das Katzenmädchen gleicht Miffy, aber noch mehr tut es ihre Freundin Cathy (1976). Ein Rechtsstreit brachte schliesslich Cathy zum Schweigen. Trotz allem – Hello Kitty und Miffy werden oft miteinander in Verbindung gebracht. Doch sie unterscheiden sich wesentlich, sind sie farblich, aber auch was ihr Charakter und ihre Abenteuer angeht total anders. Wichtigster Unterschied: Miffy würde beispielsweise nie auf einem Vibrator prangen – im Gegensatz zu Hello Kitty.

Strenges Copyright
Dick Bruna, mittlerweile 87, und sein Verlag Mercis, nehmen es streng mit dem Copyright des Hasenmädchen. Produkte und Geschichten müssen Brunas Philosophie widerspiegeln. Auch der Strich und die Farben sind genau gegeben. Herzchen gehören beispielsweise nicht zu Miffy – das ist zu süss für das Hasenmädchen. Dann lieber Blumen.

Exportschlager, Botschafterin
Als ich vor meiner ersten Reise in die Niederlande auf Miffy stiess, hatte ich keine Ahnung, dass das Hasenmädchen ein riesiger Star und ein erfolgreicher Exportschlager zugleich ist. Miffy gibt es mittlerweile in 25 Ländern (Tendenz steigend), ihre Bücher wurden in 40 Sprachen übersetzt und bis heute wurden an die 85 Millionen Kopien verkauft. Nach 9/11 war Miffy zum ersten Mal Botschafterin in New York, um dem Familientourismus wieder anzukurbeln. Im Reiseführer «Miffy loves New York City» führt sie mit Nijntje Pluis, ihrer Oma, Touristen durch die Stadt. Dieses Jahr ist Miffy wieder Botschafterin. Dieses Mal von Utrecht, wo die Grand Départ der «Tour de France» startet und Dick Bruna her kommt.

Elegante Hasenfrau
Vor drei Jahren machte ich mich zum ersten Mal auf nach Utrecht. Als ich dort war, wollte ich natürlich die Miffy-Statue sehen, die auf dem «nijntje pleintje» (kleiner Miffyplatz) steht. Mein holländischer Freund, den ich in Utrecht besuchte, war nie ein grosser Fan des Hasenmädchens, auch als Junge nicht. Er findet Miffy langweilig. Für mich war die Figur der erste Kontakt mit der niederländischen Kultur. Seit dem Aufenthalt im Sommer 2012 hatte nicht nur das Flachland einen Platz in meinem Herzen, sondern auch das Hasenmädchen, das am 21. Juni ihren 60. Geburtstag feierte. Graue Haare hat sie immer noch keine. Als Statue kommt sie für einmal in Schwarz daher. Elegant, wie eine echte Hasenfrau.

In die Welt von Miffy abtauchen kann man im Dick Bruna Huis in Utrecht.

Miffy gibt es mittlerweile auch als hübsche Lampe für 188 Fr.

Kommentare

Digitale Post

Das Beste jede Woche in Ihrer Mailbox