Tierpräparate

Von Nicole Gutschalk, 25. Januar 2016
Georg der Alligator - ein effektvolles Weihnachtsgeschenk.

Georg der Alligator wirft Fragen auf.

Müsste ich die Blicke der Verwandtschaft vergangenes Weihnachten in Worte packen, so würde wohl „verstörend“ am besten passen. Zugegeben, es liegt vielleicht auch nicht grad auf der Hand, dass eine Achtjährige einen präparierten Minialligator geschenkt kriegt. Obwohl die Anwesenden durchaus mit so einigem gerechnet hätten. Schliesslich hatten sie selbst der Kleinen ja eine Headspin-Kappe und ein Laminiergerät geschenkt – so wie es auf der Wunschliste ans Chriskind geschrieben stand. Aber auf ein totes Reptil, das sie aus einer Geschenkpackung anlugt, waren sie nicht gefasst. Unsere Tochter tat natürlich einen Freundenschrei und streckte Georg – so nennt sie den Alligator  – jedem subito vor die Nase. Die verwandtschaftlichen Kommentare: „Wie kreativ!“ und „Ah, intressant!“

Die drei Entchen, die das Osternest einer Freundin zierten.

Tierpräperate als Deko-Objekte – ein No-go?

Mit einem schrillen Schrei hingegen reagierte die Mutter einer Freundin als sie die dekorierte Ostertafel ihrer Tochter erblickte: Mabel inszenierte drei Entenküken zwischen Schoggihasen, Zuckereichen und Stroh. Meine Freundin konnte die Hysterie gar nicht nachvollziehen: „Ich weiss wirklich nicht, ob es respektvoller ist, bereits tote Tiere in Brockenhäuser vor sich hinstauben zu lassen?!“ Indem sie es ausstelle, halte sie das  Federfieh schliesslich in allen Ehren.

Bei mir lösen Tierpräparate vor allem Staunen aus. Ich liebe es sehr Georg von allen Seiten in Ruhe zu betrachten und mir vorzustellen, wie der kleine Kerl in einem exotischen Sumpf seine Runden drehte. Was ich von ihm weiss: Er ist vor rund hundert Jahre verstorben – stammt also aus einer Zeit als Safari und Co. noch okay waren. Die Tiere, die ja heutzutage präpariert werden, sind ausschliesslich Zootiere, die nach ihrem natürlichen Ableben für die Nachwelt erhalten werden.

Wer mehr über Tierpräparate wissen oder sich gar einen tierischen Artgenossen nach Hause holen möchte, sollte unbedingt bei Christian Links Wunderkammer in Zürich vorbeischauen. Der Zauberer und leidenschaftliche Sammler weiss über seine Tierchen genaustens Bescheid.  Ausserdem taucht man in seinem Kuriositätenladen im Zürcher Kreis 3 in eine bizarre Welt ab  – in eine Welt, in der noch nicht alle Kontinente erforscht waren und Reisende jeweils faszinierende Artefakte von ihren Reisen nach Hause brachten. I like.

Im Zürcher PopUp Store Cabinet von Nina und Jeroen van Rooijen sind einige tierische Artgenossen der Wunderkammer zu bestaunen.

Im Zürcher PopUp Store Cabinet von Nina und Jeroen van Rooijen sind einige tierische Artgenossen der Wunderkammer zu bestaunen.

 

Federvieh im schmucken Ambiente im Cabinet, Bogen 2, Viadukt Zürich.

Federvieh im schmucken Ambiente im Cabinet, Bogen 2, Viadukt Zürich.

 

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