Hello again, Wurzeltisch

Von Nicole Gutschalk, 8. May 2016

Als ich ihn im neu gemachten Obergeschoss im Kitchener Zürich entdeckte, war es ein Hello-again-moment! Definitiv. Denn der Wurzeltisch – so nennt man diesen Koloss – katapultierte mich innert Sekunden in meine Kindheit zurück. Zu meinem deutschen Onkel nach Hause, wo jedes Frühjahr die weissen Spargel spriessen. In seinem Bungalow – er nannte sein Haus so, weil es nur über ein Stockwerk verfügte – stand er also, der Wurzeltisch. Darum herum eine cognacfarbene Sitzlandschaft aus den Siebzigern übers Eck arrangiert. Eingezäumt von Pflanzenmöbeln aus Eternit, aus denen Gummibäume, Palmen und allerlei Zimmerpflanzen wucherten. Alles in Hydrokultur angelegt – darauf war der Onkel sehr stolz.

Meine zweite Begegnung mit einem Wurzeltisch war bei einer Freundin Daheim. Wir waren etwa fünfzehn, sie hatte sturmfrei und wir waren alle in bester Partylaune. Derart, dass wir die brennenden Kerzen auf dem Wurzeltisch aus den Augen liessen. Was zur Folge hatte, dass eine umgekippte Kerze die geölte Obefläche des Tisches total verkokelte. Die Freundin hatte danach zwei Wochen Hausarrest. Wir feierten nie mehr bei ihr zu Hause.

Ob es der Wurzeltisch je wieder unsere Wohnzimmer schaffen wird, bezweifle ich. Allerdings macht er sich super als Warenträger oder als Loungetisch in einer Hotel-Lobby. In Zürich findet man solche Kolosse übrigens in Vintageshops, wie beispielsweise im Bogen33.

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